Fast 35 Jahre lang hängt nun schon das „Rad des Schicksals“, damals gefertigt von Herrn Hübner, ehemaliger Lateinlehrer unserer Schule, im Treppenhaus des Altbaus. Nachdem fast alle Figuren abgebrochen waren, wurde das alternde Kunstwerk nun von der Schulhaus-AG restauriert. Ein großes Dankeschön geht an unseren Hausmeister Herrn Hermes, der sich um die Befestigung der Figuren gekümmert hat.
Text und Foto: Charlotte Fechner
Zur Erklärung
Im Mittelalter gab es die Vorstellung, dass das Schicksal Macht über jeden Menschen habe. Niemand könne sich seiner Stellung sicher sein.
Wer König ist, könne jederzeit vom Thron gestoßen werden, von einem Rivalen, der nur auf eine Schwäche des Herrschers lauere.
Ganz unten standen in der mittelalterlichen Gesellschaft die leibeigenen Bauern. Sie mochten wohl vom sozialen Aufstieg träumen, doch gelang er in der Realität wohl nur wenigen – etwa durch Flucht vor ihrem Grundherrn in eine der aufstrebenden Städte. Wer es schaffte, sich ein Jahr lang dort durchzuschlagen, war frei und konnte eventuell sogar Bürger der Stadt werden, z.B. als Handwerker.
Zwar waren die Menschen Christen, nutzten aber doch das Bild von der launischen römischen Göttin Fortuna, die mit einem kleinen Schubser das Rad des Schicksals drehen konnte.
Die Inschrift auf dem Rad lautet:
„Das Rad des Schicksals dreht sich. Erniedrigt steige ich herab. Ein anderer wird in die Höhe gehoben. Er freut sich allzusehr!“
Neben den Figuren an und auf dem Rad stehen oft kurze lateinische Sätze:
|
Der König sagt: |
regno |
Ich herrsche. |
|
Der ehemalige König sagt: |
regnavi |
Ich habe (einmal) geherrscht. |
|
Der Leibeigene sagt: |
Sum sine regno |
Ich bin ohne Macht. |
|
Der Rivale des Königs hofft: |
regnabo |
Ich werde (bald) herrschen. |
