Ein Reisetagebuch
Fünf Tage lang durften wir im Rahmen unserer Studienfahrt die Toskana erleben – eine Region voller beeindruckender Städte, bewegender Geschichte und italienischem Lebensgefühl. Unser Zuhause auf Zeit war der Campingplatz Burlamacco in Torre del Lago. In kleinen Bungalows versorgten wir uns selbst, kochten gemeinsam, verbrachten Zeit am Pool oder machten uns auf den Weg zum nahegelegenen Strand.
Zu Beginn besuchten wir Florenz. Der erste Eindruck war geprägt von Hektik, Lautstärke und einer überfüllten Straßenbahn. Bei einer Stadtführung entdeckten wir jedoch schnell die zahlreichen Geschichten hinter den historischen Fassaden. Besonders die Plätze, Kirchen und Renaissancegebäude beeindruckten uns. Unsere Stadtführerin vermittelte uns die Bedeutung Florenz’ als Zentrum von Kunst, Kultur und Architektur und ging dabei auch ausführlich auf das historische jüdische Ghetto und seine Besonderheiten ein.
Am zweiten Tag besuchten wir Siena, dessen mittelalterliches Stadtbild viele von uns besonders faszinierte. Nach einer Führung blieb Zeit, Pizza zu essen, durch die Gassen zu schlendern und Souvenirs zu kaufen. Anschließend ging es nach San Gimignano. Der kleine Ort mit seinen Stadtmauern und mittelalterlichen Türmen wirkte deutlich ruhiger als die größeren Städte. Die engen Gassen, Eisdielen und die besondere Atmosphäre machten den Besuch zu einer schönen Abwechslung. Besonders das leckere, wenn auch schnell schmelzende Eis blieb uns in Erinnerung.
Am dritten Tag stand zunächst Pisa auf dem Programm. Nach den engen, von Souvenirständen geprägten Gassen öffnete sich plötzlich die Piazza dei Miracoli mit dem Dom, dem Baptisterium und dem berühmten Schiefen Turm. Natürlich entstanden auch die typischen Fotos mit dem Turm. Anschließend fuhren wir nach Lucca. Die alten Häuser und verwinkelten Gassen gefielen uns trotz des wechselhaften Wetters sehr. Die Besichtigung eines Weingutes rundete den Tag dann kulinarisch ab.
Neben den kulturellen Höhepunkten beschäftigten uns besonders die Besuche in Prato und Sant’Anna di Stazzema. Im Deportationsmuseum in Prato erhielten wir anhand von Berichten, Gegenständen und Rekonstruktionen eindrückliche Einblicke in die Verbrechen der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs. Auch der Besuch der Gedenkstätte in Sant’Anna di Stazzema bewegte uns sehr. Dort erfuhren wir vom Massaker von 1944 und setzten uns mit persönlichen Schicksalen auseinander. Besonders beeindruckte uns die Geschichte eines Soldaten, der entgegen seines Befehls eine Familie verschonte und viele Jahre später von deren Angehörigen ausfindig gemacht wurde, um ihm zu danken. Auch die goldenen Disteln entlang der Wege, die an die noch zu erwartenden Lebenstage eines bereits mit 20 Tagen ermordeten Mädchens erinnern, machten den Besuch besonders eindrücklich.
Unsere Studienfahrt war damit weit mehr als eine Reise zu schönen Orten. Wir erlebten Kunst, Architektur und italienische Kultur, verbrachten gemeinsam eine intensive Zeit und setzten uns zugleich mit der Geschichte und ihren Folgen auseinander. Gerade diese Verbindung aus Gemeinschaft, Kultur und Erinnerung machte die Fahrt zu einem besonderen Erlebnis unserer Schulzeit.
Text: Schülerinnen und Schüler der Q2
Fotos: Dania Anton Armstrong, Ismail Hoxha, Wen Hui Lin, Tiana Levers, Gerhard Nestler, Lele Reinscheid, Ulrich Prenger
